Springe zum Inhalt

Prinzipien der Agilen Vorgehensweise

Agile Methoden basieren auf einigen wenigen Grundannahmen und Prinzipien. Die folgende Liste entspricht nicht exakt dem, was man in der Literatur findet, da sich die vor allem mit der Anwendung in IT und Produktion befasst, sie spiegelt aber den Kern der Prinzipien:

  • Alle bilden ein Gesamtteam
    Das Gesamtteam beschränkt sich nicht auf diejenigen, die die Arbeiten durchführen (Arbeitsteam), sondern zieht auch die mit ein, die für die Arbeit bezahlen oder sie bewerten (also z.B. Kunden bzw. in Schulprojekten die Lehrer). Der Kunde bestimmt, was ihm am wichtigsten bzw. für ihn am nützlichsten ist - das Arbeitsteam überlegt sich dazu, was es dazu alles erledigen muss.
  • Das Nützliche und Wichtige zu erst
    Bei vielen Projekten weiß man noch nicht, was genau am Ende herauskommen sollte - auf dem Weg zum Ziel ändern sich Prioritäten und es kommen neue wichtige Wünsche dazu - deshalb sollte man sich zu jedem Zeitpunkt klarmachen können, was für das Projekt bzw. den Kunden am meisten Nutzen bringt bzw. ihm am wichtigsten ist.
  • Vermeidung unnötiger Arbeit
    Arbeit, deren Ergebnisse hinterher niemand braucht oder brauchen kann, führt in der Praxis zu hohen unnötigen Kosten und bei denen, die sie tun zu Frustration. Also sollte man sicherstellen, dass nur sinnvolle Arbeit und diese gut gemacht wird.
    Beispielsweise ist das detaillierte Planen eines Projekts im Vorfeld nur dann sinnvoll machbar, wenn man schon genug Wissen über das Umfeld und die Art des Projekts hat. Ansonsten sollte man die scheingenaue Planungen vermeiden und lieber Aufgaben einplanen, die helfen, das Umfeld zu verstehen.
    Ebenfalls in die Kategorie Müll gehören schlechte Ergebnisse - die möchte keiner haben, also sollte man sie vermeiden.
  • Loslegen und einen Schritt nach dem anderen machen
    Nach Goethe hat Erfolg drei Buchstaben T-U-N - genau das ist hier gemeint. Es hilft nicht dabei zu lange zu planen und zu diskutieren, sondern man muss anfangen. Dabei ist es wichtig, dass man in einzelnen Schritten vorgeht (inkrementelle Vorgehensweise). Jeder Schritt hat ein kleines Ziel und während man den Schritt tut, solte man sich nicht in eine andere Richtung drehen.
    Für die Teams bedeutet das, dass man sich für einen Schritt (z.B. eine Woche) ein Ziel vornimmt (welche Aufgaben sollten wir erledigen) und sich dann auf genau diese Aufgaben konzentriert - klingt einfach und logisch, passiert aber in der Praxis oft nicht.
    Bei agilen Vorgehensweisen werden diese Schritte oft als Sprints bezeichnet, da man das kleine Ziel gut sehen und mit maximal möglicher Geschwindigkeit versuchen sollte, dort hin zu kommen.
  • Hohe Qualität der Arbeitsergebnisse sicherstellen
    Der Denkansatz bei der agilen Vorgehensweise ist, dass am Ende ein sehr gutes Ergebnis entstehen soll und dazu gehört, dass frühzeitig und zeitnah die Ergebnisse der einzelnen Schritte bewertet werden.
    Beispielsweise sollten Teilergebnisse möglichst früh gezeigt und bewertet werden - dann besteht noch die Möglichkeit, auf eine schlechte Einschätzung zu reagieren und nachzubessern.
  • Transparenz in der Arbeitsweise und im Fortschritt
    Arbeit macht Spaß, wenn sie Ergebnisse und Erfolge bringt und Misserfolge vermieden werden. Das wichtigste Mittel, das zu erreichen ist es, die Arbeit in ihrem Fortschritt und ihren Ergebnissen immer transparent zu machen. Dadurch sieht jeder, was gerade ansteht, wie weit das Team ist, welche Probleme es gibt und ob ggf. etwas geändert werden muss, um das Ziel zu erreichen.
    Ein zentrales Mittel hierzu sind die sogenannten Kanban-Tafeln. Dabei werden zu erledigende Aufgaben in Form von Post-Its auf ein Plakat geklebt. Auf dem Plakat gibt es Bereiche für Aufgaben die noch offen sind, Aufgaben, die gerade bearbeitet werden und solche, die aus Sicht des Teams fertig sind (es sind auch weitere Bereiche denkbar).
    Wenn ein Teammitglied die Arbeit an einer Aufgabe beginnt oder sie abschließt, wird der entsprechende Zettel von einem Bereich in den anderen gehängt. So ist der Fortschritt jederzeit ersichtlich und das Team sieht Erfolge und kann frühzeitig Misserfolge wahrnehmen.
    Achtung: Eine Aufgabe ist entweder fertig oder nicht fertig - es gibt kein fast fertig - sonst ist die Transparenz nämlich hier schon begraben.
  • Menschliche Interaktion geht über starre Vorgehensweisen
    Viele Probleme lassen sich dadurch vermeiden, dass geeignet im Team und mit dem Kunden gesprochen wird. Ein starres Vorgehensmodell, das genaue Abläufe festschreibt ist dabei oft nicht hilfreich, sondern eher hinderlich. Das bedeutet nicht, dass es keine definierten Abläufe geben soll, sondern nur, dass diese Abläufe eher als Anleitungen zu verstehen sind, als als strikte Vorgaben.
    Entsprechen gehört zu diesem Punkt, dass sich das ganze Team regelmäßig (in der Praxis mindestens täglich) zum Projektstand austauscht.
  • Ständige Verbesserung der eigenen und gemeinsamen Arbeitsweise
    Wichtig ist, dass aus der Vergangenheit gelernt wird - nicht nur aus Fehlern, sondern auch aus den Erfolgen. Deshalb sollte sich das Team regelmäßig - zum Beispiel nach jedem Schritt (Sprint, Inkrement) zusammensetzt und die Fragen nach dem was gut war und dem was verbessert werden sollte stellt.
  • Dafür Sorge tragen, dass motiviert und mit Spaß gearbeitet werden kann
    Effiziente Arbeit basiert auf Motivation und Spaß - es sollte also immer darauf geachtet werden, dass Dinge, die zu Frustration und Demotivation führen vermieden oder schnell aus der Welt geschafft werden.
    Eine Frage, die sich ein Team dazu immer stellen sollte ist also: Was könnten wir tun, damit die Arbeit an dem Projekt weiterhin so viel oder besser noch mehr Spaß macht.